Sigrid, Spezialistin für Business Storytelling


Liebe Sigrid, bitte stelle dich kurz vor. 

 

Ich bin Spezialistin für Business Storytelling. Mit Storytelling unterstütze ich große technische Projekte und Digitalisierungsprojekte beim Aufbau einer Erklärstrategie, nachhaltigem Stakeholder Management und in der Projektkommunikation. Seit 2006 bin ich Geschäftsführerin der EBH GmbH mit Sitz in München und begleite Projekte in der Kommunikation nach innen und außen. Zudem bin ich ausgebildete Geschichtenerzählerin für die Bühne, was bei Vorträgen hilft und auch meinen Kunden zu Gute Kommt, wenn wir gemeinsam Fachvorträge unterhaltsam und inhaltlich anspruchsvoll gestalten.

In über 25 Jahren Berufstätigkeit kann ich inzwischen sagen, dass es (fast) keine Projektsituation gibt, die ich nicht schon mal auf irgendeine Art erlebt hätte, auch darüber gäbe es jede Menge Geschichten zu erzählen.

 

Warum sollte man in Projekten Geschichten erzählen?

 

Projektkommunikation wird im besten Fall gleich von Anfang an im Projekt mit eingeplant. Für mich ist ein Kommunikationskonzept etwas sehr umfassendes, was auf dem Projektauftrag und dem angestrebten Nutzen des Projektes basiert. Gerade bei erklärungsbedürftigen Projekten (und das sind sie fast alle), erleichtert es den Umgang mit Stakeholdern, Anwendern und Nutzern erheblich, wenn das Projekt gleich zu Beginn plant, was in welcher Detailtiefe und welcher Regelmäßigkeit über das Projekt erklärt, informiert und gezeigt werden soll.

Zu den einzelnen Projektphasen gehört eine saubere Kommunikation dazu, ebenso wie ein Projektplan, das Risikomanagement und die ToDo-Liste. Die Basis für eine gute Projektkommunikation ist eine sorgfältige Stakeholder-Analyse und ein kontinuierliches Stakeholder Management. Einer der am meisten vernachlässigten Aufgaben in Projekten, meiner Meinung nach. Das hat zur Folge, dass Kommunikation oft einfach nicht ankommt, nicht ernst genommen wird oder dem Projekt sogar schaden kann.

Und die Frage, warum man in Projekten Geschichten erzählen sollte, stellt sich so nicht. In jedem Projekt werden Geschichten erzählt, sie werden nur meistens unterschätzt, wenn das nur auf der „inoffiziellen Ebene", z.B: in der Kaffeeküche passiert. Das spielt so lange keine Rolle, wie im Projekt alles nach Plan verläuft. Geschichten setzten alle Menschen intuitiv dann ein, wenn es darum geht, Zusammenhänge zu erklären und die Bedeutung von Fakten und Informationen einzuschätzen. Und die Bewertung von Situationen ist etwas, was in der Regel mündlich und in Geschichtenform passiert.

Spätestens bei der ersten Schwierigkeit, die kommuniziert werden muss, brauche ich mehr als nur die Faktenlage. Dann brauche ich Hintergrundinformationen, die mir helfen, die Fakten richtig einzuschätzen. Und dieser Kontext ist genau genommen immer eine (oder mehrere) Geschichten.

 

Welche Erfahrung hast du mit agilem Projektmanagement gemacht?

 

Agiles Projektmanagement ist eine Methode, die manchen Projekten hilft, schneller und effizienter zu arbeiten. Genauso wie klassisches Projektmanagement. Wenn alle die Methode und vor allem die grundsätzlichen Ideen und Wertvorstellungen über Zusammenarbeit dahinter verstanden haben, kann daraus etwas ganz Großartiges entstehen. Eine meiner nettesten Anekdoten über falsch verstandene agile Arbeitsweise war einmal meine Frage nach dem Anforderungsdokument für den Entwickler. Die Antwort war „Wir dokumentieren das nicht, wir arbeiten agil.“ Das hatte zur Folge, dass das Entwicklungsteam nach jedem Sprint in eine andere Richtung gelaufen ist, weil der Product Owner eine neue Idee hatte. Da sich diese Ideen irgendwann anfingen zu widersprechen, weil das übergeordnete Bild fehlte, hat für eine dauerbeschäftigtes Entwicklerteam gesorgt, und eine Software, die immer kurz vor der Fertigstellung war.

Wenn das Projektteam nicht klar kommuniziert, oder der Auftraggeber nicht weiss, was er will, kann das Projekt das nicht mit agilen Methoden kompensieren.

 

Das Thema „Female Empowerment“ liegt dir sehr am Herzen. Passen Frauen aus deiner Sicht gut in das Projektmanagement?

 

Gegenfrage: Können Frauen gut kommunizieren? Können Frauen gut komplexe Situationen schnell analysieren? Sind Frauen gut darin, schnell und pragmatisch Lösungen zu finden? Können Frauen gut alle Beteiligten ins Boot holen und auf der Sachebene halten? Im Projektmanagement sollte es mehr auf Ergebnisse und effiziente Zusammenarbeit ankommen, als um Geschlechterrollen, finde ich. Dass da die Realität allerdings oft anders aussieht, weiß ich aus vielen Jahren Projektmanagement-Erfahrung.

 

Wie können Frauen sich in einer Männerdomäne behaupten? 

 

Das ist eine Frage, zu der es schon unzählige Antworten gibt, und immer noch scheint sie nicht beantwortet zu sein. Ich habe für mich selbst lernen müssen, dass es gar nicht einfach ist, als Frau in einer Männerdomäne seinen Platz zu finden, ohne sich selbst oder den Job aufzugeben. Ich hatte auch kaum Vorbilder an denen ich mich orientieren konnte. Mein Tipp: sucht Euch Verbündete, unbedingt nicht nur Frauen. Und sucht Euch Vorbilder, hauptsächlich Frauen. Auch wenn ich oft die Diskussion gerade mit jüngeren Frauen führe, dass das Genderthema ja nicht mehr existiert, 2-3 Jahre später haben sie dann oft entdeckt, dass es sehr wohl existiert, wenn sie dann eigenen Erfahrungen gemacht haben.

 

Du leitest den Lean In Circle in München. Was ist ein Lean In Circle und warum sollte Frau Teil eines solchen werden? 

 

Ganz allgemein: Ein Lean In Circle ist ein Angebot an Frauen und Männer, sich mit dem Thema Diversity auseinander zu setzen. Der Hintergrund ist das Buch von Sheryl Sandberg „Lean In“. Lean In Circles gibt es weltweit. Wir sind ehrenamtlich und sehr eigenständig organisiert. Was uns verbindet ist das Thema Female Empowerment. Ich leite den Lean In Circle in München, weil mir genau diese Themen am Herzen liegen. In München sind wir ein Mal im Monat bei unterschiedlichen Unternehmen zu Gast. Es gibt Themen-Abende z.B. zu Konfliktkommunikation, Personal Branding, Finanzen, Teamarbeit, Kreativität, usw. je nachdem, was die Gruppe gerade interessiert und welche Angebote dazu auch aus der Gruppe kommen. Wir haben ab und zu Gastreferenten, Podiumsdiskussionen und Workhops unterschiedlicher Art und freuen uns immer über neue Gesichter. 

 

Was würdest du jungen Frauen raten, die im Projektmanagement arbeiten wollen?

 

1. Projektmanagement ist zu 80% Kommunikation und zu 20 % Methodik. Holt Euch jede Art von Unterstützung, die Kommunikationskompetenz stärkt.

 

2. Habt Spaß daran, Perspektiven zu wechseln und unerwartete Lösungen zu finden.

 

3. Bildet Netzwerke, um Euch weiterzubilden, um Euch beruflich voranzubringen und um Euch unvoreingenommene Hilfe holen zu können.

 

4. Trennt Berufliches und Privates nicht zu sehr. Das klingt in Zeiten der viel gelobten Work-Life Balance gar nicht gut, ich weiss. Aber wenn Ihr ein berufliches Problem habt, zu dem ihr Hilfe braucht, scheut Euch nicht, auch mal im Freundeskreis nach Hilfe und Meinungen zu fragen.