Pascale, Gründerin der NGO kleineherzen.org


Liebe Pascale, bitte stelle dich kurz vor. 

 

Ich wurde in Frankreich geboren und lebe seit 1992 in Österreich. Ich habe in Frankreich Informatik studiert und mein Wissen 20 Jahre lang erfolgreich beruflich ausgeübt. Ich bin seit mehr als 20 Jahren glücklich mit Wolfgang verheiratet und mittlerweile Mutter von vier Adoptivkindern und einem Pflegekind. Die Adoption meines russischen Sohnes Igor im Jahr 2003 dauerte fast ein Jahr und ich verbrachte viel Zeit im Waisenhaus, um freiwillig die Tagesarbeit der Pflegerinnen zu unterstützen. Nach dieser sehr emotionalen Erfahrung entschloss ich mich, Kindern in Not zu helfen.

Ich bin eine Europäerin von Herzen und ein Kind dieser Welt. Jeder Mensch in unserer Welt hat das Recht, von anderen respektiert und anerkannt zu sein. 

Die Religion unserer Familie ist Respekt, Liebe und Teilen. Wir alle kommen aus verschiedenen Kulturen (Frankreich, Österreich, Russland (2), Kambodscha, Kosovo, Afghanistan) und Religionen. Wir respektieren jeden von uns, wir lieben uns und sind zusammen sehr glücklich. Es ist so einfach zusammen zu leben.

Im Dezember 2006 gründete ich zusammen mit engagierten Menschen und Freunden meine Wohltätigkeitsorganisation "kleine herzen" mit dem Ziel, Waisenkinder und arme Familien aus Russland und der Ukraine zu unterstützen.

Wer bin ich? Eine einfache Frau, die jeden Tag erlebt, dass Geben der Schlüssel zum Glück ist. Ich widme mein Leben, um vergessene Kinder in Russland und der Ukraine zu helfen. Die strahlenden Augen eines Kindes in einem Waisenhaus, ermutigt durch ein Lächeln oder überrascht mit einem kleinen Geschenk von jemandem, der zeigt, dass er sich um dieses Kind kümmert, öffnete mir eine neue Welt. Ich begann nicht nur mit meinen Augen zu sehen, sondern auch mit meinem Herzen.

Geben heißt, sich den Ärmsten der Armen zu öffnen: Kindern, die aus unserer Gesellschaft vergessen sind, Kindern, die ohne Liebe einer Familie in staatlichen Institutionen aufwachsen. Sich um ein Kind in Not zu kümmern, bedeutet nicht nur, etwas Geld zu geben, um das eigene Gewissen zu entlasten. Es ist einem bedürftigen kleinen Herzen in einer hoffnungslosen Situation Liebe, Sicherheit und Hoffnung in seinem Leben zu geben. Es ist der Beginn eines tiefen Gefühls menschlicher Wärme, es geht darum, in einer immer weniger ausgewogenen Welt ein wenig mehr Gleichgewicht zu schenken.

Mutter Teresa sagte: „Einsamkeit und das Gefühl, unerwünscht zu sein, ist die schrecklichste Armut.“ Ich erlebe es jedes Mal, wenn ich in der Ukraine und in Russland bin.

Nach einer emotionellen Reise in Kambodscha im Dezember 2018, habe ich mich entschlossen das Kinderheim, wo meiner Tochter Sotheary ihre zwei ersten Lebensjahre verbracht hat, zu unterstützen.

 

Erzähle uns bitte mehr über deine Organisation "kleine herzen". 

 

Der Verein kleine herzen ist ein im Dezember 2006 in Österreich gegründeter gemeinnütziger Verein, in dem sich Menschen ehrenamtlich engagieren. kleine herzen finanziert seine Arbeit zur Unterstützung von bedürftigen Kindern durch Paten und Sponsoren. 

Die Mission des Vereins besteht darin, Waisenkindern und bedürftigen Kindern aus Russland, der Ukraine und Kambodscha Wertschätzung, Selbständigkeit, Bildung und Unterstützung zu bieten, um sie für ihr Leben zu rüsten. Damit soll vermieden werden, dass die Kinder nach Verlassen des Kinderheimes auf der Straße landen und Gewalt, Drogenmissbrauch und Kriminalität ausgesetzt werden.

kleine herzen wird von einer Reihe ehrenamtlich tätigen Personen aus unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft geführt. Der Verein bietet Patenschaften, Bildungsmaßnahmen für Kinder und Betreuer, Freiwilligenprogramme und finanzielle Unterstützung, wodurch unter anderem die medizinische Versorgung der Kinder gewährleistet werden kann. Auch der Bau, Betrieb und die Renovierung von staatlichen Waisenhäusern in Russland und von Familienhäusern in der Ukraine werden durch die Arbeit von kleine herzen ermöglicht. Wir verbessern nicht nur die Lebensbedingungen der Kinder, sondern wollen ihnen auch die Chance geben, ein Leben nach dem Waisenhaus aufzubauen. Wir fördern Bildung durch unser Stipendienprogramm für Hochschüler, Berufsschüler und Waisenstudenten. Patenschaften mit europäischen Familien stärken den sozialen Rückhalt.

Durch unser Weihnachtsengel-Projekt konnten und können jedes Jahr tausende Waisenkinder und benachteiligte Kinder in Russland und der Ukraine beschenkt werden. Mit Engagement und Begeisterung konnten wir in den letzten zwölf Jahren mehr als 1.500 Kindern ein besseres Leben ermöglichen. Insgesamt wurden rund 2 Millionen Euro in bauliche Maßnahmen sowie 800.000 Euro in pädagogische Projekte investiert.

kleine herzen hat im Jänner 2010 das österreichische Spendengütesiegel erhalten. Das österreichische Spendengütesiegel steht für geprüfte Spendensicherheit durch strenge Qualitätsstandards, Transparenz und laufende Kontrolle.

Im September 2014 habe ich, als Obfrau und Gründerin des Vereins kleine herzen, das goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich für mein Engagement in Russland und der Ukraine von Präsident Dr. Heinz Fischer verliehen bekommen. Seit März 2014 ist kleine herzen nun auch in Deutschland als gemeinnütziger Verein registriert: kleine herzen e.V.

 

 

Hast du Lieblingsprojekte bei kleine herzen? 

 

Alle erfolgreich abgeschlossenen Projekte waren wichtig, um die Lebensbedingungen und die Bildung von bedürftigen Kindern zu verbessern. Bisher haben mich jedoch zwei Projekte besonders geprägt.

Eines davon war in RusslandDie Umwandlung eines staatlichen Waisenhauses in ein Kinderdorf, das vor fast drei Jahren mit der wertvollen Unterstützung von Partnern, Sponsoren und Paten entstanden ist. Mit dem Projekt können seit September 2015, 40 Kinder ohne elterliche Fürsorge in einer Familie leben, in der sie Liebe, Zuneigung und Erziehung bekommen. Das Internatsgebäude wurde in 4 Familien-Appartements umgewandelt. In jedem dieser Appartements leben bis zu 10 Kinder mit “2 Müttern”. Die Mütter sind qualifizierte Pflegekräfte, die zur Betreuung von Kindern mit Traumata ausgebildet wurden. Dieses Projekt wurde sehr bekannt und anerkannt und ist bereits in anderen Waisenhäusern dank seines messbaren Erfolges umgesetzt. Die Kinder sind glücklich und wenn sie das Erwachsenenalter erreichen, haben sie die Fähigkeit, ihr eigenes Leben zu führen. Die Projektsumme betrug 250.000 EUR. 

Das andere Projekt wurde in der Ukraine durchgeführt: Eröffnung der ersten Kinderpalliativstation in Kiew am Institut für Pädiatrie, Geburtshilfe und Gynäkologie der Nationalen Akademie der Medizinischen Wissenschaften der Ukraine (PAG). Das Projekt wird in Kürze finalisiert. Jedes Jahr brauchen mehr als 16.000 Kinder in der Ukraine palliative Hilfe. Heute ist die Situation so, dass ein Kind, wenn es an einer unheilbaren Krankheit leidet, nach Hause geschickt oder in ein Krankenhaus eingeliefert wird, zu dem die Eltern keinen Zugang haben. Das Kind stirbt allein. Die Eltern bekommen keine psychologische Unterstützung in ihrem unbeschreiblichen und unvorstellbaren Leid.Die Renovierung der Räumlichkeiten im Institut für Pädiatrie, Geburtshilfe und Gynäkologie wurde abgeschlossen und in Kürze sollen medizinische Geräte, die dem Stand der Technik entsprechen, geliefert werden. 

Dieses Projekt berührt uns alle sehr. Der Tod eines Kindes ist unvorstellbar. Die Projektsumme bei diesem Projekt beträgt 130.000 EUR.

 

Du arbeitest sehr viel allein für deine NGO. Wie organisierst du dich und welchen Ratschlag kannst du Anderen in einer ähnlichen Situation geben?

 

Vier meiner fünf Kinder sind Erwachsene, das jüngste ist 16 Jahre alt. Meine drei Söhne und meine 16-jährige Tochter leben noch bei uns. Alle studieren oder gehen zur Schule. Sobald meine Familie das Haus verlassen hat, meistens gegen 7:30, beginnt mein Tag. Ich bin sehr gut organisiert, es ermöglicht mir, alle meine Aufgaben zu erfüllen. In dem Abend zuvor erstelle ich eine Liste mit dringenden Aufgaben für meine Organisation. Am frühen Morgen beginne ich für meine Organisation zu arbeiten. Um 12:00 mache ich eineinhalb Stunden Putzen und Gärtnern und mache eine Pause von 30 Minuten. Von 14 bis 16.30 Uhr arbeite ich weiter für meine Organisation. Dann kümmere ich mich um das Abendessen für meine  Familie. Gegen 19:00 Uhr essen wir alle zusammen. Zwischen 20.00 und 21.30 Uhr arbeite ich weiter. An Wochenenden und Feiertagen arbeite ich ungefähr 4 Stunden pro Tag. Das Wichtigste ist, organisiert zu sein. Ich plane meine Tage einen Tag zuvor. Ich stehe spätestens um 6 Uhr früh auf. Zwischen 6 und 7 Uhr gehört die Zeit mir und es gibt mir Energie für den Tag.

Ich bin sehr dankbar für das Leben, das ich führe und jeder Morgen ist wie ein Neubeginn.

 

In deinem Beruf wirst du nie fertig. Es gibt immer etwas zu tun. Wie gehst du mit diesem Druck um?

 

Armut, Kinder in Not gibt es immer noch zu viel auf der Welt. Damit kann ich immer etwas bewegen. Wenn ich müde bin, mache ich eine Pause. Manchmal schlafe ich 15 Minuten und bin wieder voller Energie. Ich kenne Stress nicht. Wenn ein Problem auftritt, beschäftige ich mich nicht viel mit der Frage nach dem „Warum?“, sondern organisiere die erforderlichen Schritte, um es zu lösen. Mein Motto: Nichts ist unmöglich, muss man einfach alles tun und an sich glauben, dann wird alles möglich.

 

Was würdest du gerne deinem 20-Jährigen Ich sagen?

 

Das Leben ist ein Wunder und jeder von uns ist selbst ein Wunder. Wie wir leben, alles was wir heute besitzen, die Freiheit, die Demokratie, das Wohlbefinden existieren Dank der Generationen von Menschen, die vor uns gelebt haben und die für die Entwicklung der Menschheit, ihr Leben gewidmet haben. 

Aber das Leben ist auch eine Lotterie, die von Geburt an beginnt. Diejenigen, die das Glück haben wie ich, in Frieden zu leben und geliebt zu werden, haben die moralische Pflicht, anderen zu helfen, die diese Chance nicht haben.

Helfen macht glücklich! Wenn wir anderen helfen, erhalten wir eine seelische und körperliche Gesundheit.

Miteinander statt nebeneinander Leben ist der Weg zu Lebenserfolg und Glück.