Dorothee Feldmüller, Professorin für Wirtschaftsinformatik und Gründerin der PM - Expertinnen (GPM)


Liebe Prof. Feldmüller, zusammen mit Roswitha Müller-Ettrich waren Sie Gründungsmitglied der PM-Expertinnen der GPM im Jahr 2008. Warum haben Sie diese Special-Interest Group der GPM ins Leben gerufen?

 

Der Frauenanteil im Projektmanagement war vor gut 10 Jahren noch viel geringer als heute. Gerade einmal 13 Prozent der Projektmanager waren weiblich. Die Gruppe der PM-Expertinnen haben wir damals ins Leben gerufen, um Projektmanagerinnen innerhalb der GPM besser zu vernetzen, auch über die Regional- und Fachgruppen hinweg. Wir wollten damit die „weibliche Minderheit“ stärken. Als Erstes haben wir die Studie zur beruflichen Situation von Projektmanagerinnen und Projektmanagern beauftragt, um ein besseren Einblick in die Arbeitssituation von Projektmanagerinnen zu erhalten. Bei den PM-Expertinnen stand zudem das gegenseitige Stärken – heute würde man sagen „Empowern“ – im Fokus. Wir haben uns gegenseitig auf offene Vakanzen als Regional- und Fachgruppenleitung aufmerksam gemacht und systematisch bei der Kandidatur unterstützt. Aber das Wichtigste war tatsächlich das Herauskommen aus dem Außenseiter-Dasein und die gegenseitige Ermutigung. 

In meiner heutigen Funktion als Professorin für Wirtschaftsinformatik und stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte an der Hochschule Bochum habe ich das Netzwerk „WomEngineer“ ins Leben gerufen, in der sich Frauen in der Technik - junge Studentinnen, Mitarbeiterinnen und Professorinnen - kennenlernen, vernetzen und gegenseitig stärken können. 

Damals wie heute war es wichtig für mich, etwas von meinen Erfahrungen weiterzugeben und dadurch einen Beitrag zum Erfolg anderer Frauen zu leisten. 

 

Wie steht es Ihrer Meinung nach um Diversity im Projektmanagement heute?

 

Aus meiner Sicht hat sich in diesem Punkt viel nach vorne bewegt. Der Frauenanteil im Projektmanagement hat sich in den letzten Jahren verdoppelt, wie die Studie der GPM aus dem Jahr 2014 zeigt. Ein Frauenanteil von 25-30 Prozent stellt durchaus ein gute Basis dar, aber das lässt sich steigern. Heutzutage beobachte ich, dass die Gesellschaft Frauen mehr zutraut. Aber das Beste ist, dass Frauen sich selbst mehr zutrauen. 

Ganz persönlich finde ich, dass Frauen hervorragend ins Projektmanagement passen. Zwar bediene ich hier Stereotype, aber diese sind nun einmal in vielen Fällen zutreffend. Frauen verfügen über soziale Skills, die beim Managen von Projekten sehr wertvoll sind.

In technischen Berufen ist der Anteil von Frauen jedoch weit unter 10 Prozent wie ich aus meiner Tätigkeit an der Hochschule weiß. Da ist sicherlich noch mehr Luft nach oben.

 

Und wie hat sich Projektmanagement in den letzten Jahren verändert? 

 

Die Erfahrungen, das Wissen und Vorgehen werden immer strukturierter. Vor einigen Jahren waren Projektmanagement-Methoden noch nicht so bekannt und verbreitet wie heute. Heute werden Projekte viel strukturierter durchgeführt. Rund um Portfolio-Management, Projektmanagement und Projektmanagement-Offices ist viel Wissen entstanden und viele Erfahrungen gemacht worden, die Projekte nun professionalisieren.

 

Wie nehmen Sie die öffentliche Diskussion um das Thema „Frauen“ und „Female Empowerment“ wahr? 

 

Ich nehme wahr, dass das Thema „Female Empowerment“ viel präsenter ist als noch vor einigen Jahren. Das finde ich gut. Heute gibt es zahlreiche Initiativen und Möglichkeiten, sich für die Gleichstellung von Mann und Frau im Berufs-und Privatleben zu engagieren. Ich selbst engagiere mich auch weiterhin in meiner Rolle als stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte an der Hochschule für die Belange von Studentinnen in der Technik. 

Ich glaube, dass das Gespräch über die Gleichstellung etwas nach vorne bewegt. Momentan ist aus meiner Sicht zum Beispiel das klassische Männerbild nicht mit den Vorstellungen von Familie vereinbar. Das muss sich erst noch schütteln. 

Auch würde sich eine Frauenquote positiv auswirken. Damit sich etwas bewegt, muss man in angemessenen Rahmen auch politischen Zwang ausüben. Was ich gut finde ist, dass mittlerweile auch viele öffentliche Auftraggeber scharf darauf achten, dass der Anteil von Frauen Richtung Parität geht.

Aber letztlich ist es Zeit, die es braucht. Ich denke, dass es noch eine Generation Zeit braucht bis wir Frauen dort gesellschaftlich sind, wo wir hinwollen. Aber Frauen dürfen auch schon heute nicht ausgeschlossen werden. 

 

Was begeistert Sie nach so vielen Jahren noch an Projektmanagement?

 

Ganz einfach: Projektmanagement birgt immer neue Herausforderungen und ich mag einfach keine Routine. 

 

Was möchten Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?

 

Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken. Denn Netzwerke helfen uns zu wachsen. Dort kann man zum Beispiel auch mal Schwächen zugeben. Das erzeugt nicht nur Nähe zu den Anderen, sondern hilft auch diese zu bewältigen. 

Übrigens würde ich auch geschlechterübergreifend netzwerken, am besten fachspezifisch. 

Als Letztes möchte ich noch auf den Weg geben: man sollte sich was zutrauen und nicht zurückstecken!