Dörte, Beraterin und Trainerin für Projektmanagement


Liebe Dörte, bitte stelle dich kurz vor. 

 

Beruflich „lebe“ ich seit Abschluss meiner Ausbildung zur Dipl. Kauffrau aktiv Projektarbeit. Zu Beginn war ich Projektmitglied und später in unterschiedlichen leitenden Funktionen. Ich verfüge über langjährige Projekterfahrung bei mittelständischen wie auch global agierenden Unternehmen (u.a. Vorwerk, T-Systems, Accenture), leitete Großprojekte (u.a. SAP-Einführung), führte Projektvorgehen im IT Bereich ein und bin seit circa sechs Jahren selbständige Beraterin und Trainerin für Projektmanagement. Neben dem Beruf bin ich aktive Netzwerkerin u.a. mit dem Ziel Frauen Mut zu machen, herausfordernde Aufgaben, wie z.B. die der Projektleitung, zu übernehmen. 

 

Welche Bedeutung hat Projektmanagement für deinen Werdegang gespielt?

 

Mein Lebenslauf macht es sicherlich deutlich – Projektmanagement ist für mich ein interessanter Aufgabenbereich seit meinem ersten Job als Business Analyst bei einem amerikanischen Computerhersteller. Mein erstes berufliches Ziel war schon nach kurzer Zeit klar: Projektleiterin werden. Mich reizte die Vielfältigkeit der Aufgabe und ich habe Spaß daran, im Team große Vorhaben gemeinsam erfolgreich zu stemmen. Da mir der berufliche Erfahrungsaustausch unter Frauen zu Berufsbeginn fehlte, ich Mentoring-Programme noch nicht kannte, habe ich ein berufliches Frauennetzwerk gesucht, um „offen“ über die Hürden im Job, wie Konflikthandhabung oder über das persönliche Durchsetzungsvermögen zu sprechen. Damals bin ich auf das internationalen Frauennetzwerk EWMD gestoßen. 

 

Du setzt dich für Mentoring unter Frauen ein. Was verstehst du unter "Mentoring"?

 

Über eine EWMD Netzwerkpartnerin bin ich 2006 zum Mentoring-Netzwerk KIM in NRW gekommen. Seit vielen Jahren bietet KIM weiblichen Nachwuchskräften aus kleinen und mittleren Betrieben zur Karriereförderung das Angebot, vom Erfahrungswissen einer weiblichen Führungskraft zu profitieren, die den aufstiegsorientierten Frauen als Mentorin vermittelt wird. Es hat mir sehr viel Freude bereitet meine Berufserfahrung an jüngere Frauen weiterzugeben. In 2006 war ich erstmalig Mentorin, ein ideales Matching mit der jungen Frau damals – denn sie hat bis heute die gleiche Leidenschaft für Projektmanagement wie ich. Noch immer treffen wir uns zum fachlichen Austausch auf Augenhöhe. 

 

Wann ist eine Mentoring-Beziehung deiner Meinung nach erfolgreich? Welche Vorteile hat es für Mentorin und Mentee? 

 

Ein guter Zeitpunkt mit einer Mentorin in einer Tandembeziehung einzusteigen ist nach den ersten Berufsjahren oder bei Wunsch nach einem Jobwechsel ggf. auch in ein anderes Unternehmen. Die Mentee reflektiert ihre Stärken und persönlichen Präferenzen, entwickelt Führungskompetenz, baut ihr Berufsnetzwerk auf bzw. aus, verbessert ihre Aufstiegschancen und lernt insbesondere beim unternehmensübergreifenden Cross-Mentoring andere Unternehmenskulturen kennen. Die Mentorin ihrerseits erweitert das Verständnis über Motive, Interessen und Ziele einer jüngeren Generation und darüber ihre Führungserfahrungen. 

 

Welche Spezifika birgt Mentoring in Projektmanagement-Rollen?

 

Mentoring im Projektmanagement fokussiert insbesondere auf die Besonderheiten des Projektmanagements mit denen Projektleiter/Innen oftmals konfrontiert werden. Hierzu gehören z.B. die Handhabung unterschiedlicher ggf. auch gegensätzlicher Stakeholder-Interessen, Teamführung eines temporär entstandenen Teams ohne disziplinarische Verantwortung, Erkennen der Unternehmenskultur, der informellen Netzwerke oder der ungeschriebenen Gesetze im Unternehmen, die das Projekt positiv wie negativ beeinflussen können, um nur einige Aspekte zu nennen.

 

Was ist der beste berufliche Rat, den du je bekommen hast? Und was der Schlechteste?

 

Einen sehr wertvollen Rat habe ich vor mehr als 20 Jahren bei einer wichtigen beruflichen Entscheidung erhalten. Ich musste mich zwischen zwei Jobangeboten entscheiden. Eines war mir sehr klar: wenn ich die Entscheidung getroffen habe, kann ich sie im Nachhinein kaum rückgängig machen. Ich bekam den Rat, neben der rein rationalen Überlegung über die Vor- und die Nachteile der Job-Alternativen auch auf meine innere Stimme bzw. das eigene Bauchgefühl zu hören. Das war das erste Mal, wo ich bewusst auf mein innere Stimme geachtet habe. Ich musste einen längeren Spaziergang machen, um dieses Bauchgefühl endlich zu spüren. Seitdem habe ich dieses Vorgehen für mich zum Prinzip gemacht und anschließend meine Entscheidung nie in Frage gestellt. Deshalb finde ich aus heutiger Sicht, ist es der beste berufliche Rat den ich erhalten habe.

Es gibt für mich keinen schlechten Rat, zumindest fällt mir hier und heute keiner ein – im Nachhinein war fast jeder Rat gut gemeint, doch kam der Rat aus der Sicht des Ratgebers und bezog oftmals nur seine/ ihre Sicht auf die Sache ein – doch das musste nicht zwangsläufig meine Sicht auf die Situation sein. Das zu verstehen und zu berücksichtigen war für mich ein wichtiger Lernschritt. 

 

Was möchtest du jungen Frauen mit für Ihr Berufsleben auf den Weg geben?

 

Einen beruflichen Wunsch zu entwickeln, was Sie mittelfristig erreichen möchte. Dann weiterhin den Mut zu haben aus der eigenen Komfortzone herauszugehen und neue Herausforderungen anzunehmen. Auch wenn das gewünschte Ziel im ersten Schritt möglicherweise nicht erreicht wird, es gibt immer etwas, was jeder daraus lernen kann. Vielleicht ist es ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum großen Ziel. So habe ich es rückblickend oft erlebt und es hat mir bei meiner Entwicklung geholfen.